Das Giftbuch folgt den Spuren einer Familiengeschichte, die eng mit der DDR und ihrem Verschwinden verknüpft ist. Im Zentrum steht Horst Gettel, der seit den frühen 1950er Jahren eine Giftschlangenfarm in Woltersdorf betrieb – zunächst eine der wenigen, später die einzige in Deutschland. Das von Hand gewonnene Toxin war Bestandteil pharmazeutischer Erzeugnisse; mit den Umbrüchen um 1990 brach dieses Gefüge ab – ein Betrieb, ein Alltag, ein ganzes System von Rollen, Routinen und Zuständigkeiten.
Aus dem, was bleibt, baut Saskia Darija Gettel eine eigene Erzählform: Fotografien, behördliche Dokumente, persönliche Aufzeichnungen und Dinge des (Arbeits-)Alltags, ergänzt durch Stasi-Unterlagen. In einer fotografischen Serie bringt sie Archivmaterial und Gegenwart in ein gemeinsames Bildfeld. So werden Leerstellen, Brüche und Kontinuitäten sichtbar: zwischen familiärem Erbe und staatlicher Kontrolle, zwischen Intimität und Aktenlage, zwischen Recherche und Bild.
Saskia Darija Gettel studierte an der FH Potsdam mit Schwerpunkt Fotografie (u. a. bei Wiebke Loeper) und schloss ihr Studium 2023 ab. Sie lebt und arbeitet in Berlin und wurde mit dem Deutschen Jugendfotopreis und dem Deutschen Fotobuchpreis ausgezeichnet.
Das Buch ist erschienen im Verlag Marian Arnd, https://www.marian-arnd.de/giftbuch/, und kann vor Ort erworben werden.
Eintritt frei, um Anmeldung wird gebeten: post@alte-schule-woltersdorf.de
